Ressourcen nachhaltig nutzen: Grüne Dächer

Ressourcen nachhaltig nutzen durch grüne Dächer.

Ressourcen nachhaltig nutzen durch grüne Dächer.

Aktuell gibt es in Deutschland 80 Großstädte, wozu alle Städte zählen, die mehr als 100.000 Einwohner haben. Vier dieser Städte – Berlin, Hamburg, Köln und München – sind zu Millionenstädten herangewachsen, in zehn weiteren Städten leben bereits mehr als eine halbe Million Einwohner. Allein 29 der 80 Großstädte liegen in Nordrhein-Westfalen, hier findet sich auch die größte Agglomeration Deutschlands, das Ruhrgebiet mit seinen zusammengewachsenen Metropolen. Auf rund 4.500 Quadratkilometern leben, arbeiten und wohnen insgesamt fünf Millionen Menschen. Erhöhtes Verkehrsaufkommen, Klimaveränderungen, Urbanisierung und Platzmangel sind nur einige Probleme, mit deren Folgen und Auswirkungen die Menschen in den Großstädten zurechtkommen müssen. Doch nicht nur die großen Städte haben mit diesen Schwierigkeiten zu kämpfen, auch kleinere Städte und Kommunen stehen vor den wachsenden Herausforderungen, ein lebenswertes Wohn- und Arbeitsumfeld für ihre Einwohner zu schaffen und zu bewahren.

Neue Grünflächen: Grüne Dächer

Für viele Bürger steht neben attraktiven Freizeit- und Arbeitsmöglichkeiten ein grünes Wohn- und Arbeitsumfeld ganz weit oben auf der Wunschliste. Aus gutem Grund: Denn Grünflächen sind sowohl für das körperliche als auch das psychische Wohlbefinden besonders wichtig und haben einen nachweisbaren positiven Nutzen für das Stadtklima. Genau dieser Wunsch, die Schaffung zusätzlicher Grünflächen, lässt sich aber – beispielsweise durch die ständige Zunahme der Bodenversiegelung – nicht immer realisieren. „Dabei gibt es viele noch ungenutzte Ressourcen gerade in Städten, die urbar gemacht werden könnten und somit nachhaltigen Nutzen für Mensch und Umwelt hätten“, weiß Lutze von Wurmb, Vizepräsident des Bundesverbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau e. V. (BGL). „Man muss dafür nur an bisher wenig für Grünflächen genutzte Orte denken: beispielsweise an die großen Flachdächer von Tiefgaragen, Parkhäusern, Einkaufszentren und Supermärkten. Aber auch die Dächer von Wohngebäuden, Industrie- und Gewerbeanlagen haben das Potenzial zur Begrünung und würden somit zur Klimaverbesserung beitragen.“ Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass die Luftqualität in Städten in unmittelbarem Zusammenhang mit der Anzahl der Grünflächen steht, deren Pflanzen die Schadstoffe aus der Luft filtern. Leere Flächen auf Dächern bieten sich an für grüne Dächer in urbanen Zentren.

Grüne Dächer für Grau

Von Wurmb: „Es gibt zwei unterschiedliche Dachbegrünungsarten, unter anderem abhängig von der Traglast des zu begrünenden Daches: die Extensivbegrünung und die Intensivbegrünung. Die klassische Begrünung ist die Extensivbegrünung. Sie ist vor allem für Dächer geeignet, die nicht begehbar sind und keinen tragenden Nutzen haben oder aufgrund ihrer Neigung nicht als Aufenthaltsort geeignet sind.“ Mit einer Aufbaudicke von ca. sechs bis 20 Zentimetern und einem Gewicht von rund 60 bis 250 kg/m² können hier mit vergleichsweise geringen Kosten und Pflegeaufwand naturnahe und anspruchslose, niedrig wachsende Pflanzen wie Moose, Kräuter, Sedum und Gräser angesiedelt werden. Sie haben einen niedrigen Wasserverbrauch, vertragen Trockenheit und sind auch gegenüber Frost und Minustemperaturen im Winter unempfindlich. „Anders eine Intensivbegrünung“, so der Experte für Landschaft und Dachbegrünung. „Mit ihr lassen sich in luftiger Höhe gepflegte Gartenanlagen wie ein normales Gartengrundstück individuell gestalten. Vorausgesetzt, die Statik des Daches hält dem deutlich höheren Gewicht einer intensiven Dachbegrünung von 150 bis 500 kg/m² des 30 bis 60 cm hohen Aufbaus stand.“ Dachgärten und -terrassen lassen sich ebenso realisieren wie Pausenhöfe, Spielplätze oder Sport- und Freizeitanlagen. Neben Rasenflächen können Stauden, Sträucher und Bäume gepflanzt werden, selbst Obst und Gemüse lassen sich auf einem intensivbegrünten Dach anbauen.

Grüne Dächer bieten nachhaltige Grünflächen in urbanen Räumen.

Grüne Dächer bieten nachhaltige Grünflächen in urbanen Räumen.

Grüne Dächer: Planung in Expertenhand

Wer sich mit dem Gedanken trägt, ein grünes Dach zu installieren, hat im Vorfeld einiges zu bedenken. Planung, Umsetzung und Pflege erfordern Fachwissen und sind nichts für Laien. Landschaftgärtner sind die richtigen Ansprechpartner, sie können beurteilen, welche Fördermöglichkeiten bestehen und wie der Aufbau des Gründaches in Abhängigkeit der Nutzform geplant werden muss. Welches Gewicht hält die Dachkonstruktion aus, welche Schutzlagen, Dränage-, Filter- und Substratschicht müssen aufgetragen werden und welche Vegetation ist die passende – alles Fragen, die Landschaftsgärtner kompetent beantworten können. Auch die Sicherheitsvorkehrungen wie zum Beispiel Sekuranten zum sicheren Anseilen (des Pflegepersonals) sind nicht zu vernachlässigen. „Allgemein sind extensive Dachbegrünungen relativ pflegearm und erfordern, wenn sie sich etabliert haben, nur wenig Aufmerksamkeit. Anders die intensive Dachbegrünung, sie ähnelt von der Bepflanzung und dem Pflegeaufwand einem normalen Garten“, so von Wurmb. „Beispielsweise bietet sich hier auch die direkte Installation einer automatischen Bewässerungsanlage an, so muss niemand an heißen Sommertagen lange Arme beim Schleppen von Wasserkannen bekommen. Wir raten grundsätzlich zu einer fachgerechten Pflege von Gründächern.“ Von Landschaftsgärtnern angelegte Gründächer schützen beispielsweise die Dachdichtung vor UV-Bestrahlung aber auch vor Hagel und Regen sowie großen Temperaturunterschieden. Die Lebenserwartung von Flachdächern ist durch eine Begrünung gleich der von Steildächern. Letztendlich steigert eine gepflegte Begrünung den Mehrwert einer Immobilie. Laut „Global Garden Report 2012“ wären 63 Prozent der Befragten bereit, mehr Geld auszugeben, wenn sich das Haus oder die Wohnung in einem attraktiven und gepflegten grünem Umfeld befinden würde.

Grüne Dächer bieten finanzielle Vorteile

Neben dem positiven Nutzen für das mittel- und unmittelbare Stadtklima und den aktiven Beitrag zum Umweltschutz durch Bindung von Feinstäuben werten grüne Dächer das Stadt- und Landschaftsbild auf. Es werden kleine und größere Biotope geschaffen, die neue (Ersatz-)Lebensräume für Flora und Fauna bieten. Außerdem wird durch ein Gründach die Kanalisation entlastet. Denn durch Rückhalt und Verdunstung von bis zu 90 Prozent des Niederschlags – abhängig von der Bauart – verringert sich die Gefahr von überlaufenden Kanalisationssystemen. Außerdem werden grüne Dächer in vielen Kommunen als Entsiegelungsmaßnahmen anerkannt und ganz oder teilweise als Ausgleichsflächen zu den versiegelten Flächen angerechnet. Was den Besitzern von Gründächern zusätzlich finanzielle Einsparungen bei den Regenabwassergebühren einbringt, da vielerorts die Abwassergebühren in Trinkwasser- und Niederschlagsabwassergebühren gesplittet sind.

Gartentipps/Bilder: BGL.

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